Von Moskau aus gings dann am 23.7.2008 vom Flughafen Vnukovo per Charterflug in 2 Stunden zum Eismeerhafen nach Murmansk an die Kola Halbinsel. Mit 300.000 Einwohnern ist Murmansk die größte Stadt der Kola Halbinsel und da sie am 69. Breitengrad liegt die größte Stadt der Arktis und nördlichste Großstadt Europas.
Das Wetter bei der Landung hier gleich ganz anders als im sommerlichen Moskau + 11 Grad und starker Regen.
Etwa 1 Stunde dauert die Fahrt ins Stadtzentrum, wo sich das Wetter etwas bessert.
Murmansk bietet nicht viel. Ist keine schöne Stadt, aber eben der Haften der russischen Atomeisbrecherflotte.


Interessant sind auch die Beförderungsmittel.

Es gibt aber auch andere. Wir werden mit Bussen der schweizerischen Post zum Hafen transportiert.

Schließlich kommen wir dann doch am Eisbrecherhafen an. Hier liegen schon 3 Atomeisbrecher der Arktika - Klasse. Unsere Yamal, die Sowjetzki Sojus und ein andere nicht erkennbarer Eisbrecher dieser Kategorie, davor ein atomgetriebener Flugzeugträger.
So verwundert es dann doch, daß wir vor der erneuten Paßkontrolle aussteigen und fotografieren können, bis dann doch ein Offizieller kommt und ein Fotografierverbot ausspricht. Meine Entgegnung, wir seien Touristen und keine Terroristen, wir bringen Geld ins Land, bewirkt ein Lachen, das Fotografieren wird eingestellt, aber die Aufnahmen der am Kai liegenden Yamal haben wir ohnehin schon im Kasten :-)

Die Kontrolle, das bedeutet, das Abgleichen der Passagierlisten mit den Paßdaten durch das hier stationierte Militär dauert sehr lange, eine gute Stunde oder Eineinhalb Stunden für 85 Passagiere. Schließlich ist es geschafft, wir dürfen dieses Wunderwerk der Schifffahrtstechnik boarden.
Die Yamal ist 150 m lang, 30 m breit, 2 Kernreaktoren treiben Dampfturbinen an die eine Leistung von 75.000 PS liefern. Die Höchstgewschwindigkeit beträgt 22 kn, die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit 19,5 kn. Sie hat einen Helicopter zur Eisaufklärung und auch vorallem zum Transport der Passagiere an Bord
Die Yamal kann in der Rege bis zul 5m dickes Eis brechen, vereinzelt wurden auch schon 9m dicke Schollen gebrochen.
Mit derlei "Hardware" ausgestattet verlassen wir schon nach kurzer Zeit unter russischer Marschmusik aus den Lautsprechern den Hafen und fahren in die Barentssee hinaus. Unverständlich für mich ist, warum wir an Bord die Uhren von der Moskauer Zeit, 2 Stunden zurückstellen müssen. Das ist aber auch ganz praktisch, denn so hab ich die gleiche Zeit, wie zu Hause.
Murmansk liegt etwa 300 km nördlich des Polarkreises. Die Mitternachtssonne dauert hier bis 22. Juli an, sodaß es diese Nacht praktisch nicht dunkel wird. Aber trüb ist es, denn es gibt einen Nieselregen, ja für die Nacht ist sogar stürmisches Wetter für die Barents See vorausgesagt. Zum 3. Mal bereise ich jetzt die Barents See, noch nie hatte ich hier stürmisches Wetter, so habe ich diesmal die Medikamente gegen die Seekrankheit zu Hause gelassen. Ein Fehler ?
In der Nacht und am Morgen des 24.7. schaukelt es dann ganz gut, aber nicht stark genug um bei mir die Symptome der Seekrankheit hervorzurufen, wie etwa bei meiner Antarktisfahrt.
Wie bestellt ebbt die Windgeschwindigkeit nach dem Frühstück ab, so werden vormitags erstmal das Expeditionsteam und die wichtigsten Crew-Mitglieder vorgestellt, bevor es ein Sicherheitsbriefing und die vorgeschriebene Seenotrettungsübung gibt. Bei strömenden Regen wird diese aber äußerst lasch gehandhabt, nichteinmal die Anwesenheit aller Passagiere wird kontrolliert. Bei diesem Wetter möchte sich wohl niemand an Deck aufhalten.
In diesem Rettungsboot soll laut Aussage des Sicherheitsoffiziers genug Platz sein um alle 85 Passagiere im Notfall aufzunehmen.

Am Heck befindet sich das Helicopterdeck. Der Helicopter kann bis zu 22 Passagiere aufnehmen. Auf die Verwendung von Zodiacs wird bei dieser Reise verzichtet, weil der Transport per Helicopter in der Regel schneller ist und die Zodiacs im dichten Eis ohnehin nicht operieren könnten.
Nachmittags wird das Wetter etwas besser und so entstehen noch ein paar Aufnahmen von dem schönen roten Schiff.

Die Brücke der Yamal ist gewaltig. 30 m lang.

und natürlich mit modernsten Navigationsinstrumenten ausgestattet

Hier ist zu sehen, daß wir uns am Abend des 24.7. bereits auf 75 Grad nördlicher Breite befinden. Wir haben also schon gut 600 km von Murmansk zurückgelegt, mehr als die halbe Strecke zum Franz Josef Land. Die große langgestreckte Insel Novaja Zemlja haben wir dabei (rechts) liegen gelassen.
Die Yamal ist unglaublich schnell. Am nächsten Tag den 25.7. kommen bereits vor 14 Uhr die südlichen Inseln des Franz Josef Land in Sicht und das Wetter wird auch wie bestellt besser.


In Franz Josef Land gibt es ja jede Menge Bezug zu Österreich. So wurde dieser Archipel von Payer Weyprecht - Expedition 1873 entdeckt. Und zahlreiche Inseln haben österreichische Namen, so ist etwa die Insel rechts in der Mittel mit der russischen Bezeichnung "O. Winer Nejstadt" nach meiner Heimatstadt Wiener Neustadt benannt.
Grund genug um diese Insel 1994 zu besuchen (an Board der Kapitan Dranitsyn). Auf der Insel Wiener Neustadt gibt es auch ein Kap Tirol und irgendwo in der Nähe die winzige Insel Klagenfurt und ganz im Norden die "Kronprinz Rudolf - Insel". Ein Jahr davor nutze ich die Chance diesen Archipel zu besuchen zum 1. Mal, damals nachdem Zerfall der Sowjetunion konnten erst zum 2. Mal mit dem eisverstärktem Forschungsschiff Prof. Molchanov Touristen diesen Archipel besuchen. Der Besuch meiner Heimatinsel blieb mir damals mangels der "Eisbrecher"-fähigkeiten dieses Schiffes versagt. Nun also mein bereits 3. Besuch von Franz Josef Land - auf dem Weg zum Pol.
Vorerst hält sich noch ein tiefliegender Nebel über der See, aber die Tafelbergform der Berge, die so typisch für die Inseln des Franz Josef Landes ist, ist deutlich zu erkennen.
Nur 1 Stunde späte um 15 Uhr starten die Helicopter um 85 Touristen auf die Bell Insel zu bringen
Nach der Landung ergibt sich einen wunderbaren Blick auf einen großartig geformten Tafelberg


Auf der Bell Insel befinden sich historische Hütten der Expedition von Lee Smith aus dem Jahre 1880/81

Die Vegetation beschränkt sich auf Moose und Flechten. Nichts "höheres" kann in diesem hocharktischen Klima gedeihen. Obwohl aufgrund der Klimaerwärmung die Vegetation auch hier immer reichlicher sprießt.

Nach ca. 1 1/2 Stunden müßen wir auch schon wieder zurück auf die Yamal. Mit dem Helicoptershuttle ist dies in ein paar Minuten erledigt.

Im Helicopter werden 22 Passagiere recht leger befördert. Anschnallen wird von niemanden verlangt und auch nicht praktiziert, obwohl für manche Plätze Gurte vorhanden sind. Es ist aber auch nichts passiert. Die Piloten sind erfahren und bei schlechter Sicht fliegen sie auch nicht.

Nach dem Abendessen gibt es dann aufgrund des wunderbaren Wetters eine weiter Anlandung auf Kap Flora auf der Northbrook Insel. Hier überwinterte Lee Smith im Jahre 1880 nachdem ein Sturm sein Schiff vor der Küste versenkte. Ein paar Jahre später verbrachte die Jackson Expedition lange Zeit auf der Insel und 1897 kam es zum denkwürdigen Treffen zweier Polarforscher nämlich Nansen und Jackson auf Kap Flora.
Kap Flora als südlichster Punkt im Archipel knapp unter 80 Grad nördlicher Breite gelegen ist grüner und Vegetationsreicher als alle anderen Regionen hier, deshalb wohl auch der Name.


Nicht nur uns gefällt es gut auf Kap Flora, auch 2 Vögel haben sich auf diesem Felsen niedergelassen und beobachten mißtrauisch die streunenden Touristen.

Leider bin ich kein Ornithologe und kann nicht sagen um welchen Vogel es sich dabei handelt. Bin aber für jeden Hinweis dankbar
Das kleine eisverstärkte Schiff Polaris liegt auch vor Kap Flora und hat Touristen an Land "geschickt". So kommt es 111 Jahre nach Nansen und Jackson zu einer weiteren unerwarteten Begegnung. Noch unerwarteter ist für mich daß ich darunter Irina und Alexander entdecke, die ich bereits während meiner Kurilen und Kamtschatka Reise im Vorjahr an Bord der Marina Tsvetaeva kennenlernen durfte. Die Welt ist klein .... :-), Ist aber auch kein Wunder. Sie haben eben die gleichen Interessen und außerdem ist die Polaris vom gleichen Veranstalter gechartert. Irina und Alexander beschweren sich auch, daß die Polaris nicht eistauglich oder stark genug ist um weit ins Franz Josef Land vorzudringen. Sie ist eben kein Eisbrecher sondern nur eisverstärkt. Nach dieser Reise wollen sie dann wieder an Bord der Marina Tsvetaeva gehen um eine Reise entlang der Tschuktschen Halbinsel zur Wrangel Insel zu machen.

Am Morgen des 26.7. werde ich bereits um 4.15 durch starke rammende und kratzende Geräusche, sowie durch ein Schwanken des Schiffes geweckt. Wir sind erstmals auf dieser Expedition im Eis. Auf ca. 81 Grad nördlicher Breite wurde die Eisgrenze erreicht und die Yamal störte dies nicht im geringsten in Ihrem Vorwärtsdrang. Als ich es dann um 7 Uhr auf die Brücke schaffe haben wir schon den British Channel auf der Höhe der Rudolf Insel beinahe verlassen, vor uns liegt nur mehr das Polareis das uns noch vom Pol trennt.

Zu Mittag haben wir schon 82 Grad 50 Min. nördlicher Breite erreicht und befinden uns somit nicht einmal mehr 800 km vom Nordpol entfernt

Die Reise des Schiffes kann auch oberhalb oder bei schlechten Wetter auch bequem von der 30 m breiten Brücke beobachtet werden

Die Yamal hat mit diesen Eisverhältnissen überhaupt keine Probleme und pflügt regelmäßig mit etwa 14 Knoten durchs Packeis

Am Abend der 83. Breitengrad ist bereits überschritten macht die Yamal plötzlich halt, den ein außergewöhnlicher Gast erscheint. Gott Neptun befragt den Kapitän um sich zu überzeugen, daß dieser es verdient 85 Passagiere zum Nordpol zu führen. Diese Befragung endet natürlich positiv und so wird dem Kapitän der Schlüssel zum Nordpol übergeben.

Ann diese Befragung schließt natürlich ein Barbecue an Deck und eine Party an.

Nach ein paar Stunden der Party geht's dann bei strahlenden Wetter weiter nach Norden unserem Ziel entgegen für das wir jetzt ja auch offiziell die Genehmigung von Neptun erhalten haben.



Die Yamal befindet sich jetzt in einer Region nördlich jeglichen Landes. Nirgendwo gibt es in diesen hohen Breiten noch Land. Das nördlichste Stück Land die Oodaq Insel befindet sich auf 83 Grad 40 min. und liegt nördlich des Kap Morris Jesup, der Nordspitze Grönlands. Diesen Breitegrad haben wir jetzt hinter uns gelassen.



Am nächsten Morgen den 27. 7. befinden wir uns bereits jenseits des 85. Breitengrades - nur mehr 500 km bis zum Pol. Die Landschaft ändert sich jetzt freilich nicht mehr, das Eis wird jedoch natürlich dicker und kompatker




Heute tut sich die Yamal noch leichter als sonst, denn sie kann in der Spur der 50 Let Podey (50 Jahre Sieg) zum Nordpol fahren. Dieses Schwesternschiff hat vor 2 oder 3 Tagen die gleiche Tour für Quark Expedition gemacht. In der Spur ist das Eis noch nicht ganz zugefroren, also eine leichte Aufgabe für die Mannschaft, etwas weniger spektakulär für die Touristen, die gerne sehen möchten wie Eisbarrieren überwunden und bezwungen werden. Aber so etwas kostet Zeit, Geld und Uran. Deshalb sucht die Besatzung selbst des stärksten Eisbrechers immer den einfachsten Weg zum Ziel

Trozdem ist die so vereinfachte Fahrt noch immer ein großes Erlebnis beim Auffahren auf und Zerbrechen der Schollen spritzt das Eis in alle Richtungen

Beim Blick vom Heck nach hinten sieht man die breite Spur die die Yamal im Eis hinterelassen hat.

So weit man nach Norden blickt - nur Packeis

Morgens ist es meist neblig. Abends dagegen klart es oft auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Kurz vor dem 88. Breitengrad als nur noch 220 km vom Pol entfernt dann dieses Bild in der Abendsonne.


Spätabends gegen 23 Uhr befinden wir uns bereits auf 88 Grad 29 Min. - also nur noch 170 km vom Pol entfernt. Nervosität macht sich unter den Touristen breit, die immer häufiger die Brücke und die Decks frequentieren. Soll man heute schlafen gehen, oder nicht. Verpassen wir die Ankunft am Pol ?

Aber es ist von den Profis alles richtig getimed.
Am 28.7. um 8.30 nach dem Frühstück befindet sich die Jamal bereits auf 89 Grad 53 min. Also nur noch 10 - 12 km vom Pol entfernt. Offenbar hat die Besatzung die Fahrt gedrosselt um den Tagesablauf nicht durch eine zu frühe Ankunft am Pol zu stören. Leider ist das Wetter heute nicht mehr so schön wie in den vergangenen Tagen, es ist etwas trüb und das Eis am Pol scheint hier auch dünner zu sein.

Nach und nach versammeln sich immer mehr Passagiere an Deck der Yamal um dem großen Ereignis entgegenzufiebern.

Schließlich um 9:21 (7.21 UTC + 2 Stunden) Ortszeit oder besser gesagt Schiffszeit zeigt die GPS - Anzeigen 90 Grad 00 Min und 00 Sek an. Von hier führen alle Wege nach Süden

Grund genug auf das Expeditionsziel anzustoßen

Auf der Brücke wird auch in den Karten der Reiseverlauf eingezeichnet

und so siehts draußen auf exakt 90 Grad Nord aus

Jetzt sucht das Schiff eine Eisscholle die groß und stabil genug ist um die Nordpol-Party veranstalten zu können. Manchmal dauert dies sehr lange, manchmal wird so eine Scholle gar nicht gefunden. Diesmal ist es einfach nicht mehr als 800 m vom Pol entfernt wird diese gefunden.
Etwa 1 Stunde dauert es bis das ganze Equipment für die Nordpol-Party aufs Eis gebracht wird.
Es wird ein großer Kreis gebildet, die Fahnen aller Teilnehmer aufgehängt und ein symbolischer Tanz rund um den Nordpol, also rund um die Welt beginnt.


Nach den Ansprachen durch Kapitän und Expeditionsleiter

gehts dann endlich los. Die Teilnehmer haben Freizeit können das Barbecue am Eis des Nordpols genießen, oder aber auch nach Herzenslust Fotografieren und Filmen.
Beeindruckend wie die Yamal hoch wie ein mehrstöckiges Gebäude auf dem Eis des Nordpols ruht.


Mein indischer Kabinen-Genosse vor der Jamal am Nordpol


Das eisfressenden Haimaul der Yamal



Begehrt sind Bilder mit dem Haimaul der Yamal und dem Schild 90 Grad Nord.


Hier die polnische "Delegation"


Und wer will kann dann noch einem ganz anderen Hobby frönen





Nachdem Baden gibt es dann doch noch die Gelegenheit zu einem warmen Mittagessen am Pol vor der Kulisse der Yamal

oder auch um die letzten Aufnahmen am Pol zu machen

Schließlich nach ca. 2 - 3 Stunden auf dem Eis des Nordpols ist es dann doch Zeit, das Picknick Equipment wird wieder auf die Yamal geschafft und unser Eisbrecher schlägt wieder Kurs nach Süden ein. Etwas Wehmut empfindet wohl jeder bei der Rückreise. Aber vorerst stehen wieder ein paar Anlandungen in Franz Josef Land bevor.
Dieses Archipel erreichen wir dann auch bereits am 30.7. am frühen Morgen bei wenig berauschendem Wetter.
Das Eis ist hier auch wesentlich weniger dicht. Oft gibt es sogar große eisfreie Wasserflächen

Wir befinden uns in der Markham Street ungefähr in der Mitte des Archipels und erkennen sofort wieder die für das Franz Josef Land so typischen Tafelbergformationen

Sogar Tafeleisberge (von einem Gletscherabbruch) wie in der Anarktis sehen wir hier erstmals

Andere Berge haben fast die Form eines idealisierten Vulkans

Das Ziel hier in dieser archaischen Landschaft heißt jedoch Champ Island


Die vorallem wegen dieser Kugel auch Boulder genannt, bekannt ist

Dieser hier hat eine fast perfekte kugelförmige Forum

Die Oberfläche der Boulder ist mit Moosen und Flechten bedeckt

Das ist der größte Boulder Insel



Diese Boulder hab ich schon mal wo gesehen. Und zwar hier:
Die Boulder auf Champ Island - das ist doch die gleiche Struktur wie die Moeraki Boulder auf Neuseeland
Interessant ist auch die Vegetation auf Champ

Leider bin ich kein Botaniker und habe keine Ahnung um welche Pflanze es sich hierbei handelt

Kleine Gletscherbäche

ermöglich das Gedeihen von Moosen und anderer niederer Vegetation

Die Yamal wartet schon diesemal in offenem Wasser

und so müßen wir diese interessante Insel

nach einem gut 2 stündigen Aufenthalt wieder verlassen

Man hat es jetzt eilig, denn man bietet uns noch etwas besonderes, einen Rundflug per Helicopter diesmal nur mit 10 - 12 Touristen besetzt, über dem Gletscherabbruch der Champ Insel.

Weiter gehts nach Südwesten in Richtung Hooker Island, wo wir in der Buchta Tikhaja eine ehemalige russische meterologische Station besuchen wollen. Aber auf dem Weg dorthin







da begegneten wir unserem 1. na eigentlich unseren 2. Bären auf dieser Reise. Der 1. dagegen war so sehr von dem Eisbrecher eingeschüchtert, daß er sofort in den Nebel davonlief. Davon gibt's nur eine kurze Sequenz auf Video. Dieser hier war aber deutlich mutiger. Er hatte überhaupt keine Angst vor der Yamal. Obwohl diese natürlich sofort die Motoren drosselte.
Am nächsten Morgen dem 31.7. stand die Buchta Tichaja auf dem Plan. Aber schlechtes Wetter und Nebel änderten dies und lief voerst der Rubini Rock bei der Insel Hooker angelaufen. Den seh ich nun schon zum 3. Mal...
Dieser Vogelfelsen wird von den Expeditionen immer gerne besucht. Die Kunst ist es, das Schiff so nahe heranzumanövrieren, daß man noch halbwegs gut die nistenden Dickschnabellummen und Dreizehenmöwen fotografieren kann.


Schließlich besserte sich das Wetter doch noch und wir konnten auf der ehemaligen Sedova Station in der Buchta Tichaja landen. Dabei handelt es sich um eine verlassene meterologische Station, die schon in den 50er Jahren des vorigen Jahrunderts verlassen und auf die mittlerweile auch verlassene Krenkel Station auf Hayes Insel verlagert wurde. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab und gibt es kaum noch Geld für die Polarforschung.








Neben den verfallenen Gebäuden der Station begeistert mich noch diese intensive Färbung des Mooses am moorastigen Booden

Am Abend nehmen wir Kurs auf Viktoria Island. Jene winzige Insel zwischen Spitzbergen und Franz Josef-Land, die aber zum russischen Territorium gehört. Weil in diesem Bereich wird es am 1.8. eine totale Sonnenfinsternis geben.
Leider ist es am 1.8. frühmorgens schon recht trüb. So ahnen wir schlimmes. Wird wohl nichts werden mit der Sonnenfinsternis. Das heißt, dunkel wird's schon werden aber die Sonnenscheibe werden wir in der dichten Bewölkung wohl kaum sehen können. Zumindest schönes Eis haben wir hier am Beobachtungspunkt

Kurz vor der Totalität gibt es ein kleines Wolkenfenster und wir können die restliche vom Mond noch nicht verdeckte Sonnenscheibe sehen

Kurz nach der Totalität ist dann nochmals die bereits wieder unverdeckte Sonnenscheibe zu sehen

während der Totalität wars natürlich vollkommen dunkel und trozdem ein mystisches Erlebnis. Ich hab ja schon einmal 1999 eine vollkommene Sonnenfinsternis in meiner Heimatstadt erleben dürfen. So eine Beobachtung in einem Polargebiet ist natürlich immer mit einem immens hohem Wetterrisiko verbunden. Besser wäre eine Wüsten- und somit Hochdruckregion.
Nächste Sonnenfinsternisse: 2009 China, 2010 Isla de Pascua - Rapa Nui:-)
Damit wären alle touristischen Highlights erledigt und abgehakt. Doch auf der Rückfahrt gibt es noch einen besonderen Bonus


Die Gewässer um Viktoria Island sind bekannt für Ihren "Walross-Reichtum"



Bei der Rückfahrt zaubert die Mitternachtssonne noch wunderbare Farbenspiele auf das Eismeer. Ein wunderschöner Abschluß dieser faszinierenden Reise



