
Am 20.6.2007 flog ich von Moskau Scheremetjewo Inlandsterminal in 8 Stunden nach Yuzhno Sahalinsk, der
Hauptstadt von Sachalin. Sachalin ist die größte russische Insel und war früher zweigeteilt. Das bedeutet, der südliche Teil war japanisches Hoheitsgebiet, der Norden zu Russland. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die gesamte Insel, sowie die zwischen Sachalin, dem japanischen Hokaido und der Halbinsel Kamtschatka liegenden Kurilen endgültig Russland einverleibt. Dem Kriegsverlierer Japan blieb nichts anderes übrig dies zu akzeptieren, obwohl noch heute die Kurilen von Japan beansprucht werden.
Vom herungergekommenen Flughafen ging es mit dem Bus an die Westküste Sachalinsk zur noch trostloseren Hafenstadt Kholmsk, wo schon unser nach der berühmten russischen Schriftstellerin Marina Tsvetaeva benanntes Schiff wartet. Abends beginnt die Expeditionskreuzahrt. Die Meeresenge zwischen der japanischen Insel Hokaido durchfahrend erreichen wir am nächsten Tag gegen 15 Uhr Kunashir unsere erste und südlichste Kurilen-Insel.

Kaum sind die Anker der Marina Tsvetaeva auf Grund gerasselt, beginnen schon die Zodiac Operationen.
Das Wetter ist schön, ungewöhnlich gut für diese Region, das will man ausnutzen und wir kommen in den Genuß unserer ersten Anlandung

Vorerst fahren wir aber noch mit den Zodiacs oder Korsar Booten wie sie hier heißen, ein Stück der Küste von Kunashir entlang, wo wir interessante Basaltformationen sehen können.

Schließlich landen wir aber an einem schönen Sandstrand auf Kunashir.

Wandert man ins Inselinnere, so erreicht man durch hüfthohe Vegetation

schließlich heiße Quellen. Ein Zeichen der geothermischen Aktivität, die hier überall auf den Inseln anzutreffen ist.

Man findet auch Pools die von den Ureinwohnern, den Ainus zum Baden genutzt wurden

Am nächsten Tag fahren wir weiter nordwärts entlang von Kunashir. Hier haben wir einen schönen Blick auf den Tyatya Vulkan. Ein Vulkan im Vulkan. Ein Doppelvulkan also. Laut Auskunft der Experten der einzige Doppelvulkan der Welt.


Ein junger Vulkankegel innerhalb einer alten Caldera. Ein Doppelvulkan.
Schließlich landen wir an einem schwarzen Sandstrand und wandern zu einem kleinem aber schönen Wasserfall


Nach diesem "Landausflug" kreuzen wir mit den Zodiacs vor der vulkanischen Küste, vor Vogelfelsen, vor einer eindrucksvollen Naturkulisse bei immer noch für diese Region untypischem Prachtwetter.

Schließlich setzen wir zur Insel Iturup der größten Insel der Kurilenkette über, unterwegs sehen wir schön geformte Vogelfelsen abwechselnd im einsetzenden Nebel und Sonnenschein. Das Wetter ändert sich jetzt sehr rasch. Aprilwetter würden wir hierzulande dazu sagen.

Morgens noch präsentiert sich Iturup im Sonnenschein

aber eine Anlanung an den Stränden hier ist mit den Zodiacs leider nicht möglich, da die Brandung zu stark ist.
Was vom Schiff aus, wie spiegelglatte See aussieht, ist dann in der Realität vorallem in Strandnähe so stark, daß mein Zodiac beim Landeversuch fast umgeworfen wurde und alle Passagiere in den Genuß einer Volldusche kamen.
Weiter geht's deshalb zum nördlichen Zipfel der Iturup - Insel zur Bären - Bucht. Ein verheißungsvoller Name.
Aber auch hier ist der Seegang so stark, daß nur eine äußerst nasse Landung versucht werden kann.
Angesichts der heutigen morgendlichen Seewasserdusche, erspare ich mir den Versuch bei zunehmend schlechter werdendem Wetter. Ich sorge mich nicht um mich, wohl aber um meine Kamera-Elektronik, Foto- und
Videokamera. Alles in allem war das heute ein ziemlich enttäuschender Tag. Keine gelungene Landung und deutlich schlechter werdendes Wetter. Aber nichts ungewöhnliches in diesem Archipel, die Buchten sind hier nicht durch Fjordsysteme wie etwa in Südgeorgien geschützt, sodaß Anlandungen nicht immer so einfach möglich sind.
Übernacht fahren wir weiter noredwärts zur Urup Insel. Dichter Nebel macht hier aber Anlandungen erneut unmöglich.

Wir kreuzen zwar mit unseren Zodiacs im Südwesten der Insel entlang, der Nebel verhindert jedoch Blicke aufs Inselinnere. Anlandungen sind wegen zu starkem Seegang erneut nicht möglich.

Erneut ein Tag ohne Anlandungen. Schön langsam schlägt die Stimmung um. Man fragt sich, ob es richtig war eine Reise in diese Schlechtwetterzone zu buchen.
Weiter nach Norden auf der Suche nach besserem Wetter zur Insel Ketoy. Aber auch hier Nebel und Schlechtwetter. Landung nicht möglich. Beim Kreuzen mit den Zodiacs sehen wir als "Ausgleich" dann nicht nur interessante Felsformationen

auch Stellersche Seelöwen

und Dreizehen - Möwen

Gegen Mittag nimmt die Marina Tsvetaeva die Fahrt mit Kurs auf die Doppelinsel
Ostrova
Ushishir auf.


Mit den Zodiacs fahren wir in eine alte große Caldera ein, wo 2 neue Vulkan-Kegel entstanden sind.


Das Wetter ist jetzt für lokale Verhältnisse schön, und so können wir uns auch etwas mit der Botanik hier auseinandersetzen.

Mir unbekannte Blumen und Pflanzen gedeihen auf Hängen der Insel

Am Strand gibt es Thermalquellen und Schwefelwasserstoff-Gase treten an der Obefläche aus


Ein guter Platz um sich zu wärmen denkt sich auch ein Fuchs

Wir steigen auf die grasbewachsenen Vulkanflanken auf

um einen Blick in die Caldera zu genießen

Am nächsten Tag landen wir leider bei wieder etwas schlechter werdendem Wetter auf der Onekotan Insel

Bei Wandern über das grasbewachsene Plateau entdecken wir so manche interessante Blüte zwischen der niederigen aber dichten Vegetation.

Nach einiger Zeit erreichen wir einen See auf dem die russichen Gäste angeln.
Abends fahren wir weiter nach Paramushir der nördlichsten Insel der Kurilen und ankern hier im Südwesten.
Die Szenerie hier beherrscht eindeutig der 1.772 m hohe Fussa Vulkan.


Da das Wetter hier wieder besser wird landen wir hier vormittags an.

Wir folgen einen kleinen Bach und gelangen über dichte Vegetation und sumpfiges und rutschiges Gelände auf ein Hochplateau, wo wir einen schönen Blick auf den Vulkan genießen

Leider beginnt das Wetter jetzt wieder deutlich schlechter zu werden. Es beginnt zu regnen und so kehren wir zum Schiff zurück, das jetzt Kurs nach Norden nimmt auf die Insel Atlasova, wo wir jedoch im Nebel den höchsten Berg der Kurilen den 2.291m hohen Alaid kaum sehen können. Etwas enttäsucht nehmen wir nun endgültig Kurs auf Petropavlosk in Kamtschatka. Die Reise durch die Inselkette der Kurilen ist zu Ende.
Mehr Bilder insgesamt 210 gibt's in der Fotogallerie.